
Bürgersprechstunde
und Kraftwerk Bleckede - 2 Besuche
-- Bürgersprechstunde - jeden Dienstag bis 18:00 Uhr im Rathaus Bleckede
Nach einem schönem Frühlingsspaziergang um immerhin 16:50 Uhr
am Rathaus angekommen, werde ich erst fast abgewimmelt, dann aber doch
an den Herrn Otte - rechts die Treppe hoch, dann wieder rechts - verwiesen.
Der könne, so wie ich fragen würde, mir vielleicht weiterhelfen.
Im Büro von Herrn Otte, eines freundlichen Herrn in den besten Jahren, bekam ich einen Platz angeboten und trug meine kurze Einleitung vor: mein Name sei Kater und ich sei Stipendiat hier in Bleckede und als gebürtiger Berliner einfach neugierig darauf, wie so eine Gemeinde wie Bleckede - Bleckede trotz 'ck' mit langem 'e'! wurde ich korrigiert - funktionieren würde.
Um für gute Stimmung zu sorgen, schob ich noch den Hinweis nach, dass ich schon den Eindruck hätte, dass Bleckede, anders als z.B. Alt Garge, ausgesprochen reich wirke.
Durch diese Einleitung erstaunlicher Weise zu jeder Auskunft bereit, geduldig
und mir zugewandt, beantwortete Herr Otte sehr kompetent all meine Fragen:
Nein, es gäbe kein statistisches Material für Bleckede.
Die korrekte Bezeichnung sei übrigens 'Einheitsgemeinde Bleckede', in
der etwa 10.050 Einwohner leben würden. Die Hälfte davon in Bleckede,
der Rest würde sich auf die 15 (... glaube ich mich zu erinnern) Ortsteile
verteilen. Und Alt Garge sei eben auch so ein Ortsteil. Es gäbe Ortsteile,
wie Alt Garge, mit etwa 1500 Einwohnern bis runter zu Ortsteilen mit nur
50 (oder waren es gar nur 15) Einwohnern.
Die Gewerbesteuer würde 305 Prozentpunkte betragen - in Hamburg müssten
da schon 450% bezahlt werden. Auch die Hundesteuer sei mit 24 Euro im Jahr
hier in Bleckede äußerst günstig. Da hätte man auch
an die nicht so gut gestellten Rentner gedacht. Konkretes Vergleichmaterial
hätte er nicht. Zuständig sei ja Lüneburg. Die Steuern würden
nach dort gehen und nach einem bestimmten Schlüssel wieder zurück
fließen.
Konkret zu der Bäckerdichte befragt konnte er mir diese auch nicht
erklären - und gestand ein, dass nach der Einführung des Euro
er auch jetzt wieder neu gucke, wo er denn am besten seine Brötchen
kaufe. (Ein Bäcker hätte seine Preise deutlich erhöht, ein
anderer würde jetzt anders backen... ) In all seinen Ausführungen,
vermied Herr Otte es geschickt Namen zu nennen und wußte immer, Bleckede
ins rechte Licht zu rücken.
Überraschend für mich war, wie wenig Gestaltungsspielraum er
und seine durch ihn vertretene Behörde hat: Entscheidungen werden im
Rat getroffen - und die würden vorher eigentlich nicht seine Meinung
einholen. Ansiedlungen steuern oder gar verbieten könne er auch nicht
- nur bei den Ärzten gäbe es einen Niederlassungsstopp. Allerdings
würden in Bleckede ein Augenarzt und ein Gynokologe fehlen.
Als ich dann meine frisch gewonnen Erkenntnisse mit dem Satz: Also haben
die Ärzte eine deutlich erfolgreichere Standespolitik betrieben, als
die Bäcker - zumindest was die Absicherung der schon Etablierten betrifft
- zusammenfaßte, konnte er das nur so bestätigen.
Er wies mehrmals darauf hin - gehen sie mal Sonnabends vormittag Brötchen
kaufen, da gibt es richtige Warteschlangen - das jede Bäckerei ihre
Kunden hätte. (... und wenn man teure Brötchen mag, geht man eben
zu jener Bäckerei... und wenn man kleine Brötchen mag eben zu einer
anderen... )
(Die Bäckerein seinen eben Handwerk - da gäbe es die Handwerksinnung
mit ihren Regeln. Meister müsse man sein - und dann könne man ein
Geschäft aufmachen... )
Und wenn er die Zeichen richtig deute, dann würde ganz in der Nähe
von Aldi noch ein Gewerbezentrum errichtet - und dort würde dann noch
eine Bäckerei, bzw. eine Verkaufsstelle eingerichtet werden. Allerdings
würde in diesen Komplex dann wohl der Minimalmarkt einziehen - und seinen
alten Standort aufgeben... da wiederum würde dann ... hier kann ich
das Gespräch nicht mehr sachlich richtig wiedergeben. Leider wollte Herr
Otte kein offizielles Interview mit mir führen.
Dann lobte er noch die Hauptstraße von Bleckede: Wenn man dort etwas
aufmache, dann könne eigentlich nicht viel schief gehen. Die 'Breite
Straße'... und selbst mir als 'nicht-Autofahrer' war die gute Parkplatzsituation
in der Straße schon aufgefallen. Auf meinen Hinweis, dass in der Straße
zwei Läden leer stünden und ein Geschäftshaus zum Verkauf
stünde, reagierte er gelassen. Er führte ausführlich aus, weshalb
die zwei Geschäftskonzepte nicht hätten tragen können. Und
meinte dann noch, dass ein gut laufendes Geschäft - ein Tabak- und Zeitungsladen
- ja nicht dafür könne, wenn der Eigentümer des Gebäudes
wechsele...
28 - 03 - 2002
Zu Besuch beim "Kraftwerk Bleckede", einem der wenigen privaten Kraftwerke
Deutschlands (mit Thibaut)
Herr Schröder ("Melden Sie sich einfach im Laden... ") empfängt
uns in seinen Büro. Nachdem er mir die Firmenbroschüre in die Hand
gedrückt hat und bevor die Firmenführung beginnt, nutze ich die
Gelegenheit ihn nach der Bäckersituation in der Stadt zu fragen:
Ja, er sei auch politisch tätig. Nein, niemand würde etwas dagegen
haben, wenn ein weiterer Bäcker sich in Bleckede ansiedeln würde.
Zudem handle es sich bei den Vorhandenen nur um Filialen, also Verkaufsstellen... bis auf das Café.
Und: es würde sich abzeichnen, dass das Café schließen
würde - aus gesundheitlichen Gründen bzw. altersbedingt. Da hätte
sich noch kein Nachfolger gefunden. Auf meine Nachfrage, dass es bei der
Konkurenz ja auch nicht ganz einfach sei, einen Laden zu übernehemen,
meine er, immerhin habe diese Bäckerei noch das Cafégeschäft
- würde gar hauptsächlich davon leben... Ich kam nicht umhin, auf
das neu entstehende Café im Schlosshof Bleckede (gegenüber von
unseren Ateliers) hinzuweisen... Kurz angebunden meinte Herr Schröder
dann nur, dass ihnen (?) schon was einfallen würde, um die Leute vom
Schloss in die Stadt zu locken, bzw. zu lotzen...
Dann gab es die Führung - durchaus aufwendig wurde
alles vorgestellt und vorgeführt. Etwas enttäuscht war ich allerdings
schon, dass man keine Umspannstation sehen konnte... der Strom kommt bereits
so "niederspannungsmäßig" (?) an, dass er einfach von einem Kabel
ins andere gespeist werden kann. Dafür - für diesen Fremdstrom
und die Dienstleistung der vorangehenden "Runterstromung" (?) - muß dann allerdings auch Geld bezahlt
werden...
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