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Kunstverein Cuxhaven
April 2010

"
The Feeling of What Happens (Henry 2)" (Arbeitstitel)

Raumzeichnung für 2 Räume (raumfüllende Zeichnung auf Wand und Decke und auf vor der Wand und unter der Decke befestigten Styroporteilen).


Kleiner Text:
Zur Zeit der Romantik gab es die sich eigentlich nie einlösende Hoffnung, dass ein Bild nicht nur etwas wiedererkennbar abbilden können sollte, sondern dass sich darüber hinaus vor dem Bild beim Betrachter auch noch die gleichen Gefühle einstellen müssten, die auch in der "realen" Situation hervorgerufen wurden, bzw. hervorgerufen werden würden.

Kater nun möchte Verhältnisse und Relationen zwischen Menschen und Dingen nachvollziehbar so abbilden, dass sie eben nicht nur begreiflich werden – etwa wie bei einer Info-Grafik – , sondern auch emotional erlebt werden können, dass sich also die Gefühle einstellen, wie sie in der "realen" Situation auch aufgetreten wären. Ein Mittel, sich diesem eigentlich unerreichbaren Ziel anzunähern, ist die Raumzeichnung, die den Betrachter anders mit dem Bild und der bei der Bildbetrachtung ablaufenden Zeit konfrontiert, als eine kleinere Zeichnung auf Papier.

Die Raumzeichnung "The Feeling of What Happens (Henry 2)" ist eine Fortsetzung der Arbeit "o.T. (Henry)", die im November 2009 in der Ausstellung "BS-Visite" in Braunschweig zu sehen war. Mehr Infos unter: http://www.hanneskater.de/index_bs-visite.html.



Raumzeichnung allgemein (vorläufige Definition):

Raumzeichnung, die. [2 räumliche (
a/b) und 2 bildnerische Ausprägungen (I/II) sowie Mischformen dieser Möglichkeiten]

a) Zeichnung die den ganzen Raum mit einbezieht, also den ganzen Ausstellungsraum als Auftrittsort begreift und nur vor Ort für diesen Ort entstehen kann. Die Zeichnung bedeckt Wände und Decken, sogar die Glasflächen der Fenster – und bezieht sich strukturell / kompositorisch auf die Architektur und Begebenheiten (Bauschäden, Wasserflecken, andere Abnutzungserscheinungen / Möblierung). Das Gegenteil dieser Form von Raumzeichnung ist die gerahmte Zeichnung, die im Atelier entstanden ist und überall da gezeigt werden kann, wo man sie an die Wand hängen kann.
Statt direkt auf der Wand ausgeführt zu werden, kann die Raumzeichnung, bzw. Ausschnitte / Anteile von ihr, auch mit, in der Regel, mehreren Projektoren projiziert werden, wobei es sich dann nicht um eine klassische Projektion mit klar definierter (rechteckiger) Projektionsfläche wie etwa im Kino handelt, wo der Raum als solcher unwichtig wird. Dabei können Standbilder (Diaprojektoren, Overheadprojektoren) oder auch Bewegtbilder (Film, Video) zum Einsatz kommen.
b) Zeichnung die in den Raum hineinreicht, sich von der Wand ablöst und vor der Wand, bzw. unter der Decke, im Raum materialisiert. Entweder das Material ist die Linie (z.B. Draht), oder es gibt ein (neutrales) Trägermaterial auf das die Linie aufgebracht wird (... bei Kater ist das weißes und recht festes/dichtes Styropor, Papier oder auch Folie).

I a) und b) können als ein Bild, eine Einheit, eine Szene geplant und ausgeführt werden, durch die sich der Besucher hindurch bewegen und so, durch die Veränderung seines Standpunktes, unterschiedliche Aspekte wahrnehmen kann. (Im Unterschied zum Bühnenbild (der Guckkastenbühne) ist der Betrachter hier nicht unbeweglich vor der Bühne, also vor dem Bild, der Zeichnung, sondern in der Zeichnung und dazu auch noch beweglich.
[weitere Stichworte: Parcours, Shopdesign / Supermarkt (antizipierte Laufwege der Besucher)]
II Statt den Raum mit "nur" einem Bild (ob abstrakt / formal oder erzählerisch (Realitätsfragmente / Symbole und Zeichen)) zu füllen, kann der Raum auch mit vielen, mehr oder weniger zusammenhängenden und mehr oder weniger deutlich von einander abgegrenzten Bildern bespielt werden, z.B. mit einer über die Wände und Decken verteilten Bildgeschichte, die einzelne Szenen / Stationen des Leidensweges von Christus zeigt.


Raumzeichnung – Aspekte Kater

Variation, Verdichtung, Staffelung. Und die Ellipse als Ordnungsprinzip einzelner Abschnitte: Katers Raumzeichnungen und der ihnen eigene Schwung der Linien lassen an barocke Strategien der Raumbewältigung denken. Einzelne Motive seiner Zeichnungen sind auf Styropor ausgeführt und können sich so von der Wand lösen und eine eigene Raumstruktur entfalten, eine zweite Schicht im Raum. Wer sich nun durch den Raum bewegt, dem verschieben sich die sich überlagernden Raumschichten, der Raum wirkt nicht mehr statisch und löst sich auf ins Unendliche, ohne dabei aufzuhören, Innenraum zu sein.

Paradoxer Weise kann man den Übergang vom begrenzten Raum zur unräumlichen Weite so nur am und im Innenraum erfahren. Denn der Außenraum wird gerade dort, wo sich in ihm die volle Weite auftut, man denke nur an den unendlichen Horizont des Meeres, klar und überschaubar.

Erst der gegenseitige Verweis einer Raumstruktur auf eine andere ermöglicht einen spannungsvollen Eindruck der Unendlichkeit. Durch die verschiedenen Maßstäbe und wiederkehrenden Elemente wird dieser Eindruck auf perspektivischer Ebene verstärkt: in seiner Tiefenstaffelung ist der Raum nicht mehr deutlich zu erfassen, er wird „transparent".

[In Cuxhaven werden wohl keine Overheadprojektoren eingesetzt.]
Overheadprojektoren werfen Licht und Linien gegen Wände, Decke und Styroporelemente und führen damit eine dritte Ebene von Flächen und Schatten ein. Die aufblitzenden Lichtflecken der Projektionen im Dunkel des Raumes unterstützen die Sogwirkung in die Tiefe und verwischen weiter die Hierarchien des Raumes. Durch die immaterielle Raumerweiterung wird das Gefüge komplexer, der Eindruck der Verschleierung durch Überlagerung wird gesteigert, denn die Schattenbilder sind wie eingefrorene Einstellungen einer Bewegung im Raum.



Einige schwarz-weiß Fotos von älteren Arbeiten: das kleine Bild ist ein Link zum grossen Bild (ca. 15 cm x 10 cm bei 300 dpi).

Teilansicht von: "o.T. (Henry)", eine Raumzeichnung mit 17 Overheadprojektionen und
bezeichneten Styroporelementen. Für: BS-Visite, Braunschweig 2009
Teilansicht (mit Besuchern) von: "o.T. (Henry)", eine Raumzeichnung mit 17 Overheadprojektionen und bezeichneten Styroporelementen. Für: BS-Visite, Braunschweig 2009
Teilansicht von: "o.T. (Henry)", eine Raumzeichnung mit 17 Overheadprojektionen und bezeichneten Styroporelementen. Für: BS-Visite, Braunschweig 2009
Folie (im Original farbig) für eine der Projektionen von: "o.T. (Henry)", eine Raumzeichnung mit 17 Overheadprojektionen und bezeichneten Styroporelementen. Für: BS-Visite, Braunschweig 2009
Folie (im Original farbig) für eine der Projektionen von: "o.T. (Henry)", eine Raumzeichnung mit 17 Overheadprojektionen und bezeichneten Styroporelementen. Für: BS-Visite, Braunschweig 2009
Folie (im Original farbig) für eine der Projektionen von: "o.T. (Henry)", eine Raumzeichnung mit 17 Overheadprojektionen und bezeichneten Styroporelementen. Für: BS-Visite, Braunschweig 2009
"Der Zeichner zeichnet". Detail. Wandzeichnung mit bezeichneten Styroporelementen. Für: "open Studios", Berlin 2009
"Die Ewigkeit der Ideologie". Detail. Raumzeichnung mit bezeichneten Styroporelementen. Für: Kunstverein Diepenheim, Holland 2009
"2 x einer im Paar". Detail. Raumzeichnung mit bezeichneten Styroporelementen. Für: "Close Encouters", Leeuwarden, Holland 2009
"2 x einer im Paar". Detail, während des Aufbaus. Raumzeichnung mit bezeichneten Styroporelementen. Für: "Close Encouters", Leeuwarden, Holland 2009

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