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Der Pfeil in Texten
In welchen Zusammenhängen tauchen Pfeile in Texten auf? Welche Klischees werden bedient?
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Es kann kaum ein Zufall sein, dass es in keiner Sprache der Welt die Wendung "schön wie ein Flughafen" gibt.
Flughäfen sind häßlich. Manche sind sehr häßlich. Manche erreichen ein Ausmaß an Häßlichkeit, das nur ein Resultat besonderer Kraftanstrengungen sein kann. Diese Häßlichkeit kommt zustande, weil Flughäfen mit Menschen angefüllt sind, die müde und verdrossen sind und gerade festgestellt haben, dass ihr Gepäck in Murmansk gelandet ist (Murmansk ist die einzige bekannte Ausnahme dieser ansonsten unerschütterlichen Regel), und weil die Architekten alles in allem versucht haben, diesem Umstand in ihren Entwürfen Rechnung zu tragen.
Sie waren bestrebt, das Müdigkeits- und Verdrossenheitsmotiv durch brutale Formen und nervenzerfetzende Farben zu akzentuieren, das Anliegen, die Reisenden für immer von ihren Koffern oder liebsten Angehörigen zu trennen, spielerisch in die Tat umzusetzen, den Reisenden mit Pfeilen zu verwirren, die auf Fenster, ferne Schlipsregale oder die gegenwärtige Position von Ursa Minor am Nachthimmel zu deuten scheinen, und wo immer möglich alle Rohrleitungen sichtbar zu machen, und zwar aus dem Grund, weil sie funktionell sind, und die Position der Flugsteige zu verstecken, wahrscheinlich aus dem Grund, weil sie's nicht sind.
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Douglas Adams: Der
lange dunkle Fünfuhr-
tee der Seele, 1991
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Beispiel 2
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Unter der Überschrift "Kunden umgeleitet" berichtete die FAZ über ein Urteil des Oberlandesgerichts München, dass einem Elektronikmarkt verbot, bei einem in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Konkurren-
ten "direkt gegenüber dem Eingang [...] mit Werbeschildern auf sich aufmerksam" zu machen. "Vor dessen Schaufensterfront hatte der beklagte Markt auf dem Fußboden mit Reklameaufdrucken und Richtungspfeilen mit der Aufschrift 'da lang' geworben." Es gelte in so einem Fall das Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme (Beschluss vom
22. Juni 2005 6 U 4627/04).
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FAZ: kurzer Beitrag auf
der 'Recht und Steuern'-
Seite vom 10.08.2005
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Beispiel 3
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Die Linien sind Ideen, die in scheinbar großer Leichtigkeit dahin fließen und wellengleich harmonischen Rhythmen folgen, oder aber sich kreuzen oder sogar in der Luft zusammenprallen wie Pfeile, die, von demselben Bogen aus geschossen, um die Wette auf eine Zielscheibe zuschwirren, einander auf halben Wege treffen, sich spalten und verdrehen wie Späne, wobei ihre stolze Gerade auf einen Schlag zu einem metallischen Gebilde zerspleißt, einer Spitze, die keine Spitze mehr hat.
Der Pfeil, als die starke Idee einer Linie, wird unfreiwillig zur Arabeske, und die Gewalt, die sich auf den anderen Pfeil entlädt, ergibt einen komischen Scherz der Natur, ein Schnelles, das von einem Langsamen gefangengesetzt wurde wie ein Hirschgeweih, das im Stamm einer Eiche "eingewachsen" ist oder das schwarze Schmetterlingspaar, auf ewig im Liebesakt erstarrt im durchsichtigen Kern eines grausamen Bernsteins.
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Manlio Brusatin:
Geschichte der Linien.
Diaphanes, Berlin 2003
S. 10 - 12
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Beispiel 4
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Ich schieße wie ein Pfeil auf sie zu und umarme sie ganz fest. Wir bleiben lange so stehen...
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Beispiel 5
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[...] fand sich in meiner Hand das krampfhaft zusammengeknüllte Taschentuch, mit dem ich wieder und wieder große Schweißtropfen von der Stirn wischte. In meinem Nacken war, gebunden von den Vorhängen, die ganze Gasse ein dampfender Frühling. Vorn, zwischen mir und den Gastgebern, die sich mit verdoppelter Gesprächigkeit bemühten, mir aus der Verlegenheit zu helfen, duftete aus den Tassen der Tee, zichte, durchstoßen von einem Pfeil aus Dampf, der Samuwar, wogte die von Wasser und Dung umnebelte Sonne. Der Rauch des Zigarrenstummels, faserig wie ein Schildpattkämmchen, zog vom Aschenbecher zum Licht, erreichte es und kroch übersättigt über es hin zur Seite wie ein Stück Tuch. Ich weiß nicht weshalb, aber dieser Kreislauf aus der geblendeten Luft, der dampfenden Waffeln, des rauchenden Zuckers und wie Papier lodernden Silbers vertiefte meine Spannung unerträglich. [...]
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Boris Pasternak:
Luftwege. Ausgewählte Prosa: "Der Schutzbrief", Erster Teil, Abschnitt 4.
Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1986, S. 200.
Aus dem Russischen übertragen von Elke Erb, Marga Erb, Roland Erb, Hans Loose und Oskar Törne.
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